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Interview Filmproduktion & DigitalisierungStefan Kluge, 2010-06-25Barbara Maier hat mich für Ihre Diplomarbeit "Neue Chancen für die Low Budget Filmproduktion durch die Digitalisierung" interviewt: Welche Chancen bieten Open Source Projekte für Low Budget Filme? Die Distribution des ersten Films unseres Labels unter einer Creative Commons Lizenz hat uns ein Vielfaches der Aufmerksamkeit beschert, als das bei einer Veröffentlichung unter Copyright der Fall gewesen wäre. Das dürfte die augenscheinlichste Chance sein: eine hohe Verbreitung. In unserem Fall führte das außerdem zu höheren Einnahmen als beim Verkauf des Films an einen Sender. Außerdem sehe ich Chancen in der Öffnung des kreativen Prozesses selbst. Wie schätzen Sie die Zukunft von Creative Commons Lizenz und ein? Die nichtkommerziellen Creative Commons Lizenzen werden sicher weiter Einzug in den Mainstream halten. Ob eine kommerzielle Nutzung stattfinden wird, d.h. ob die Lizenzen auch in der Kultur- und Unterhaltungsindustrie verwendet werden, hängt davon ab, ob man Geschäftsmodelle finden wird, die für die Mehrheit von Kunstschaffenden funktionieren kann - so wie das im pre-digitalen Zeitalter mit dem Verkauf von Lizenzen der Fall war. Da wird auch die Lizenzpolitik der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten eine Rolle spielen. Die BBC ist z.B. Vorreiter in Sachen Creative Commons. Auch ZDF und NDR sind auf dem Weg. „Die letzte Droge“ ist ja bereits ihr zweites Projekt, was haben sie bei der Durchführung im Vergleich zu „Route 66“ anders gemacht? "Route 66" war als Dokumentarfilm deutlich weniger aufwendig als der Spielfilm "Die letzte Droge". Kurz gesagt: wir haben mehr Zeit und Geld in den neuen Film investiert. Welche Möglichkeiten zur Refinanzierung gibt es? Können Open Source Projekte gänzlich refinanziert werden? Unser erster Film war nach ca. 2 Jahren refinanziert: durch Spenden, Sponsoren, Folgeaufträge und DVD-Verkäufe. Von den Einnahmen haben wir die Dreharbeiten des neuen Films bezahlt. Die Postproduktion "der Droge" war allerdings deutlich teurer, als die "Route 66"-Postproduktion. Wenn wir die 300.000 € Gesamtkosten einspielen, werden wir weiter in den Mainstream vorstoßen; wenn nicht, dann werden Open Source Filmprojekte wahrscheinlich noch einige Jahre Mikrobudget Filmproduktionen bleiben. Inwieweit verändert sich Ihrer Meinung nach das Verhalten der Rezipienten durch die Digitalisierung? Der Zuschauer fordert mehr Kontrolle über die Inhalte: wir bestimmen was wir sehen, wann wir es sehen und wo. Außerdem werden wir als Zuschauer nicht länger passiv bleiben: wir verändern diese Inhalte und schicken sie zurück ins Netz. Ich stelle auch eine Veränderung der Sehgewohnheiten fest: billig produzierte Aufnahmen sind inzwischen Massenmarkttauglich. Teilweise wird dieser Handkamera-Look, den wir durch Videoportale gewöhnt sind, sogar aufwendig von den Major Studios imitiert - siehe Cloverfield. Wie sehen Sie die Zukunft des Films? Wird Interaktion eine größere Rolle spielen? Wir werden einige Innovationen erleben - z.B. durch den zunehmenden Einfluss von Quereinsteigern oder durch die veränderten Sehgewohnheiten (Stichworte: VLogging, Videogame-Ästhetik). Auch die Innovationsgeschwindigkeit wird zunehmen, vor allem in Sphären die nicht durch Lizenzbestimmungen die freie Entfaltung der Kreativität behindern. Ein Internet-Filmmarkt wird entstehen, so wie ein Markt für TV-Produktionen entstand und ein Straight to Video-Markt. Auch dieser Markt wird eigene Formate hervorbringen. Da die Kollaborationskosten im Netz sehr gering sind, wird die Interaktion zunehmen: Der Einfluss des Dunstkreises, d.h. der lose mit dem Projekt verbundenen Fans, auf die Entscheidungen des Kernteams von Internet-Filmprojekten nimmt zu. Vor allem dann, wenn die Filmemacher sich das Wesen dieses Mediums zu Nutze machen, indem sie beispielsweise die freie Entfaltung der Werke durch Open Source Lizenzen fördern. |
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