|
Stefan Kluge, 2012-01-02
Verena Lutter interviewte mich neulich für die LVZ - eine gute Gelegenheit, die sozialistische Filmförderung zu dissen:
Kreativ in Leipzig, Teil 4: Wie Stefan Kluge mit VEB Film Leipzig das Filmgeschäft revolutionierte ( Teile 1-3 hier)
An Leipzig kleben viele Labels. Messestadt, Bachstadt und Buchstadt zum Beispiel. Eines wird bisher noch nicht so häufig verwendet: Kreativstadt. Dabei arbeiteten 2010 schon 11,6 Prozent aller berufstätigen Leipziger in Unternehmen der Kultur- und Kreativwirtschaft. In loser Folge stellt die Szene-Seite in Zusammenarbeit mit dem Verein Kreatives Leipzig Akteure der elf Teilbranchen vor ― von A wie Architekturmarkt bis W wie Werbemarkt. Heute: Stefan Kluge von der Open-Source-Filmfirma VEB Film Leipzig.
Frage: 2004 haben Sie mit „Route 66“, einem Road-Movie über drei Leipziger und einen 30 Jahre alten Cadillac, den ersten deutschen Open-Source-Film ins Internet gestellt. Er wurde innerhalb eines Jahres über eine Million Mal heruntergeladen und finanzierte sich über Sponsoren, Spenden und DVD-Verkäufe. Warum haben Sie nicht einfach einen Förderantrag gestellt?
Stefan Kluge: Angenommen, wir sitzen in einer Kino-Lobby, und ich erzähle Ihnen von einem Film, den ich drehen will. Es geht um drei Jungs, die in einem V8 auf der Suche nach dem amerikanischen Traum sind. Was für ein Kitsch, denken Sie und sagen: Tut mir Leid, ich kann Ihr Projekt nicht finanzieren. Plötzlich kommen meine Buddies zur Tür rein, die alle dasselbe Kostüm anhaben und sagen zu Ihnen: Wir bekommen jetzt 17,98 Euro von Ihnen, oder Sie kommen mit. Das ist staatliche Filmfinanzierung — der Kunde wird weder gefragt, ob er zahlen will, noch wofür.
Woran lag es, dass sich in so kurzer Zeit so viele Menschen für Ihren Film begeisterten?
Kluge: Wahrscheinlich, weil das Projekt so radikal war. Einerseits netzpolitisch: als erster deutscher Langfilm unter einer Lizenz, die das Kopieren, Aufführen und Remixen gestattet. 2004, als die meisten Produzenten am liebsten alle Filesharer in den Knast gesteckt hätten. Und auch aus filmischer Sicht: Route 66 wurde von ein paar Quereinsteigern mit privaten Geldern realisiert, die dabei gegen zwei Drittel aller Regeln des Filmhandwerks verstoßen haben, und wurde trotzdem gern gesehen.
Was hätten Sie getan, wenn sich nicht genug Leute gefunden hätten, die „Route 66“ gut finden?
Kluge: Wahrscheinlich hätten wir VEB Film Leipzig nicht gegründet, ich wäre SPD-Wähler geworden, williger Steuerzahler, zufriedener Konsument staatlich abgesegneter Konsensfilme und hätte immer genug Geld auf dem Konto.
Unendliche Weiten, die nur auf eine Erkundung warten: Stefan Kluge während der Dreharbeiten zu seinem neuen Film „Breslau” über „einen Haufen Irrer, die mit Endgeschwindigkeit quer durch Polen rasen“. Foto: (cc by) VEB Film Leipzig
VEB Film Leipzig veröffentlicht alle Filme unter freien Lizenzen, das heißt, jeder kann sie ohne Ihre Erlaubnis weitergeben, aufführen und sogar verändern. Haben Sie keine Angst davor, wie sich Ihr „Baby“ dadurch verändern könnte?
Im Gegenteil, ich warte immer noch auf den Tag, an dem es endlich laufen lernt. Es ist natürlich sehr wahrscheinlich, dass es dann in eine komische Richtung läuft, so machen das Kinder wohl. Aber wenn ich es an die Leine nehme, via Kopierschutz zum Beispiel, dann wird aus dem Baby auch nie mehr als ein erbärmlicher Klon seines Vaters. Das ist die typische 20.-Jahrhundert-Denke: bloß keine Kontrolle abgeben. Aber die Rechnung haben sie ohne ihre Kinder gemacht.
Seit 2005 arbeiten Sie an Ihrem Free-Culture-Blockbuster „Die letzte Droge“. Sie haben außerdem „Der Geist der Biker“ und ein weiteres Road-Movie produziert. Wovon handeln diese Filme?
„Der Geist der Biker“ ist eine Urlaubsfilmparodie, deren Protagonist mit einem lustigen Dresdner Motorradclub auf Russland-Expedition geht. Den gibt es bisher nur auf DVD und via Bezahl-Download, aber natürlich unter Creative-Commons-Lizenz, also mit der Erlaubnis zum Kopieren und Remixen. Der Netrelease folgt voraussichtlich im Frühjahr. Im aktuellen Road-Movie geht es um einen Haufen Irrer, die mit Endgeschwindigkeit quer durch Polen rasen. Mit allen Fahrzeugen, die denkbar sind, von Mopeds bis vierachsigen Trucks. Eigentlich geht es um die Suche nach Harmonie, es ist also auch wieder eine philosophische Reise, aber der Film wird trotzdem sehr lustig und übrigens erstmals auch in 3D. „Die letzte Droge“ ist ein Cyberpunk-Science-Fiction, den haben wir zum Teil in Südamerika gedreht, wo wir auf der Suche nach einem seltenen Halluzinogen waren. Das ist der Road-Movie-Teil des Films ― mit dem Aufspüren der Droge beginnt der Cyberpunk, allerdings mal nicht als Kapitalismuskritik, was in dem Genre sonst meist zu sehen ist, sondern mit libertärem, demokratiekritischen Subtext.
Auf Ihrer Website kann man sehen, wie viel Geld noch fehlt, bis die Produktionskosten wieder drin sind. Wie lange hat es bei „Route 66“ gedauert, bis Sie im Plus waren?
Das hat nur ein Jahr gedauert, aber der kostete uns auch nur 30 000 Euro. „Der Geist der Biker” wird ein paar Jahre länger brauchen, weil das Sponsoring schwieriger geworden ist. Unser Cyberpunk-Science-Fiction wird die Kosten wahrscheinlich nie einspielen, aber damit haben wir auch nicht gerechnet. Das kann man als Lehrgeld betrachten. So eine Filmausbildung ist eben nicht billig, wenn man sie selbst bezahlt.
Nur 6,5 Prozent der Unternehmen der Leipziger Medien- und Kreativwirtschaft zählen zur Rundfunk- und Filmwirtschaft. Kennen Sie Ihre Leipziger Kollegen?
Ich kenne recht wenige, weil ich Autorenfilmer bin, das heißt, ich mache kaum Auftragsarbeiten und übernehme viele Parts der Produktion selbst. Außerdem ist VEB Film Leipzig ein Netlabel, das heißt, unser Markt ist sowieso überregional. Eine Zeit lang habe ich allerdings hier und da Vorträge gehalten, und die waren in Sachsen übrigens meist besser besucht als zum Beispiel in Berlin ― ich finde die Übersichtlichkeit hier eigentlich ziemlich sympathisch.
Machen die jetzt auch alle Open-Source-Filme, weil VEB Film Leipzig damit so erfolgreich war?
Das haben wir vor sieben Jahren alle gedacht, aber wir sind die einzigen im deutschen Sprachraum geblieben, die das dauerhaft machen. Das liegt wahrscheinlich daran, dass sich mit Auftragsarbeiten mehr verdienen lässt. Wer allerdings kompromisslos eigene Filme machen will, der sollte sich das genauer anschauen!
Stefan Kluge, 2011-09-04
Tim Baumann, einer der wenigen Open Source Filmemacher, hat nun drei unterschiedliche Sounddesign-Versionen seines 93 minütigen Spielfilms Valkaama in HD unter der Creative Commons BY-SA Lizenz veröffentlicht. Das war ein ziemlich aufwendiges Projekt - Creative Commons Lizenzen werden bei langen Filme ja nach wie vor sehr selten verwendet. Tim hat übrigens auch Free Culture-Forschung betrieben, z.B. in seiner Diplomarbeit " Open Source Film Geschäftsmodelle".
"Mit der Veröffentlichung der Dateien ist das Valkaama Projekt nun offiziell beendet. Wir hatten eine schöne Zeit während der Arbeit an Valkaama und es war eine tolle Erfahrung, ganz am Anfang der Open Source Film Bewegung mit einem der ersten Open Source Spielfilme (wenn nicht sogar dem Ersten ;) mit dabei gewesen zu sein. Die Webseite bleibt natürlich online und das Forum wird von mir von Zeit zu Zeit gescreent um Fragen und Kommentare zu beantworten und es so gut wie möglich Spam-frei zu halten.
Von unserer Seite heißt es also Goodbye... Wir hoffen Ihr hattet Spaß beim Sehen des Films und falls Ihr ihn noch nicht herunter geladen habt, dann bekommt Ihr Eure DVD oder HD Version von Valkaama hier.
Over and out :)
Tim & das Valkaama Team"
Stefan Kluge, 2011-08-08
Große Ernüchterung, als ich die Aufnahmen meiner neuen Rallye-Doku sichtete. Die Farben der Sony TD10E können nicht annährend mit den Farben meiner alten SD-Dreichipper-Kamera mithalten und das Interlacing ist so heftig, dass ich erst mal alle Shots mit einer schnellen horizontalen Bewegung im Bild mit "besser nicht verwenden" labeln sollte. Und das bei einem verdammten Motorsportfilm!
 Interlaced Sony TD10E Footage, aus einem fahrenden Fahrzeug (1080i50 im 3D-Modus, d.h. automatik-Shutter)
Dann habe ich angefangen nach den neuesten Deinterlacing-Algorithmen zu suchen und siehe da: es gibt inwischen so unfassbar gute Software, dass man aus den 1080i50 Bildern der TD10E erstklassige 720p50-Bilder machen kann. Das bedeutet zwar, dass die Auflösung nun nicht mehr FullHD ist, aber dafür kann ich mit echten 50%-Zeitlupenaufnahmen arbeiten. Was für ein Segen bei diesen Aufnahmen und erst recht in 3D. So wird das Bild auch später nicht von schlechten Fernseher-Deinterlacern beim Zuschauer im Wohnzimmer verwaschen, da ich nicht mehr Interlaced arbeiten muss. Auf die Art muss man sogar froh sein, dass die Sony im 3D-Modus nur mit 50i arbeitet, sonst hätte ich mich beim Filmen wahrscheinlich für 25p entschieden und damit in den schnellen Shots die Hälfte der Bewegungsinformationen verloren.
Allerdings muss ich vor dem Workflow dieses Postprocessings warnen: für das Aufbereiten von 30 Stunden 3D-Footage habe ich mit 100 GHz Rechenpower in einer Renderfarm gut 2 Wochen gebraucht. Da fahren sämtliche Lüfter auf Industrielautstärke hoch, die Zimmertemperatur steigt um 10 Grad und der Stromzähler im Keller nimmt richtig Fahrt auf.
Es ist auch nicht mit einem Mausklick getan, aber die einzige Möglichkeit, die ich sehe, aus der Sony für meine Zwecke professionelle Bilder zu holen. Wer noch nie mit AviSynth gearbeitet hat, sollte einen Tag Einarbeitung einplanen. Hier der konkrete Ablauf:
1. Sony MVC-Files splitten
Ich arbeite mit dem Cineform 3D-Codec, weil der performant ist und gut in Premiere Pro integriert. Der Neo 3D-Trial läuft 2 Wochen, den brauchen wir zunächst. Danach kann man das kostenlose GoPro CineForm Studio nehmen - das ist eine abgespeckte Version des Neo 3D.
Die Sony liefert MVC-Dateien ab, die sowohl das linke, als auch das rechte Auge des 3D-Streams enthalten. Diese Dateien müssen mit dem MVC to AVI Converter in einzelne Dateien für links und rechts getrennt werden. Als Codec empfehle ich einen (fast) verlustfreien - ich verwende: "GoPro-CineForm Encoder 2" mit den Einstellungen "High" und "Single Frame Picture Group". Achtung: die Datenmenge verzehnfacht sich hiermit. 30h = 3TB
2. Deinterlacen und Skalieren
Jetzt wird es tricky: der Schlüssel zum Erfolg nennt sich QTGMC - das ist ein State of the Art Deinterlacer, der macht aus unserem Konsumer-Schrott richtig schicke Bilder. Eine Schritt für Schritt-Anleitung würde hier Seiten füllen, ich reiße es mal kurz an: Virtual Dub installieren, AviSynth installieren, QTGMC installieren.
QTGMC wird per Script angesteuert, dort legt man auch die Parameter fest. Ich habe nun in diversen Tests die besten Parameter für mein Footage ermittelt und dann mit Hilfe eines Perl-Scriptes für jede einzelne Datei unseres Footage ein AviSynth-Script generiert, in dem diese Datei von 1080i50 auf 720p50 konvertiert wird. Hier mein Script:
AVISource("E:Sony Source Files SplittedFILENAME.avi")
ConvertToYV12(interlaced=true)
AssumeTFF()
Lanczos4Resize(1280,1080)
QTGMC(
Preset="Slow",
ChromaMotion=true,
TrueMotion=true,
Tuning="DV-HD" )
Lanczos4Resize(1280,720)
In Virtual Dub wird nun eine "Shared Job List" angelegt, die alle erzeugten AviSynth-Scripte enthält. Auf die kann man dann seine Renderfarm loslassen und gleich noch mal in Urlaub fahren. Wer keine Zeit hat, stellt im QTGMC den Preset nicht auf "Slow", sondern auf "Very Fast".
3. CineForm 3D-Files erzeugen
Die links/rechts-Dateien müssen nun wieder zusammengefügt werden - dazu verwende ich CineForm First Light. Die Automux-Funktion kann auch numerisch-sequenziell benannte Files im Batch muxen, dazu einfach die Dateien nach dem Schema "l/0001.avi, "r/0001.avi", "l/0002.avi, "r/0002.avi" etc. ablegen, die ersten Dateien auswählen und dann auf "Auto Mux" klicken. Ich hatte mir ein Perl-Script geschrieben, das meine Files entsprechend umbenennt und nach dem muxen wieder zurückbenennt, da meine Sony-Files den Zeitstempel der Aufnahme im Dateinamen führten, den ich retten wollte.
Fertig:
 Deinterlaced mit QTGMC via AviSynth (nun 720p50)
Die GoPro liefert übrigens bei Sonnenschein schon von Haus aus erstklassige 720p50-Bilder, die man mit dem kostenlosen GoPro Cine Form Studio muxen kann. Der ganze Kram wird dann gemeinsam mit dem konvertierten Sony-Material in eine CineForm 3D 720p25 Sequenz in Premiere Pro importiert (von einem Raid!) und dort mit 50 Frames für Echtzeit und 25 Frames für eine lupenreine 50% Zeitlupe abgespielt. Auf meinem 120 HZ Monitor kann ich nun in voller Auflösung in 3D mit Nvidia-Shutterbrille schneiden.
Stefan Kluge in Der Geist der Biker, 2011-07-06
Ich komme gerade von Dreharbeiten mit der neuen Sony TD10E 3D Cam zurück, die ja derzeit viele Indiefilmer interessiert, deswegen schnell mal meine ersten Eindrücke, solange hier noch Platz ist.
Ich war 7 Tage auf einer Rallye, genau genommen der Breslau "Dakar des Nordens" Rallye, das bedeutet Staub, Matsch, Erschütterungen, Regen usw. Ziemlich rauhe Bedingungen. Der Staub und die Erschütterungen waren folgenlos, die Feuchtigkeit führte eines Morgens zu einer von innen beschlagenen Linse - es dauerte dann 4 Stunden, bis die wieder frei war, das hat mich ein paar gute Shots gekostet.
Das Handling im 3D-Modus war problemlos: die Cam ist in wenigen Sekunden aufnahmebereit. Einen Sucher habe ich nie vermisst, denn das Display ist jederzeit hell genug (vor allem im 2D-Display-Modus, der macht auch wegen der grösseren Schärfe im Feld Sinn). Mit Autofokus und Autobelichtung hatte ich auch unter extremen Lichtbedingungen kein Problem. Während ca. 30h Aufnahme kam mir 1 Bug unter: die Cam blieb im Aufnahmemodus hängen und reagierte auf keinen Tastendruck mehr, es half nur noch das Akku-entfernen.
Pro Tag brauchte ich drei NP-FV100 Akkus, die originalen Akkus reichen jeweils 4 Stunden und sind nach wenigen Stunden im Sony-Ladegerät AC-VQV10 wieder voll. Dort können auch zwei Akkus gleichzeitig eingesteckt werden, die werden dann nacheinander geladen, das ist Nachts ganz praktisch.
Die Nutzung des internen 64GB-Flashspeichers (= 5 Stunden 3D) kann ich nur empfehlen, wenn man ein paar Stunden auf die Cam verzichten kann, während die Daten auf eine externe Platte übertragen werden. Man schliesst dazu eine USB-Platte an die Cam an und schiebt per Knopfdruck die Daten auf die Platte. Die Cam braucht dafür übrigens einen Stromanschluss, das konnte ich allerdings jeweils Nachts über ein KFZ-230V-Travo machen, ohne dass das die Autobatterie tangierte. Die Datenübertragung kam mir robust vor: nur die noch nicht kopierten Dateien wurden übertragen und auch eine plötzliche Unterbrechung war kein Problem. Wer die Cam nicht stundenlang lahmlegen will, dem würde ich empfehlen 'ne handvoll 32GB oder 64GB SD-Karten mitzunehmen, die kann man alternativ zum internen Speicher nutzen. Die SDs aber bitte nicht mit einem DigiMate 3 auf eine Platte überspielen wollen, denn das Ding geht schnell kaputt und ist unzuverlässig - ich habe es letztendlich nur noch als externe USB-Platte genutzt, weil es meine Speicherkarten nicht mehr auslesen wollte.
Ich hatte die Sony inklusive eines Sennheiser MKE400 Richtmikros auf einer FlyCam Nano montiert, das war extrem handlich und uneingeschränkt empfehlenswert. Letztendlich habe ich die FlyCam meist nicht mal als Steadycam verwendet, aber durch das höhere Gewicht wurden die Bilder ruhiger und durch die FlyCam-Auflage konnte ich die Konstruktion schnell wie ein simples Stativ nutzen oder am Griff das Ganze auch mal sehr hoch halten. Die Cam selbst hatte ich via Stativ-Schnellkupplung an der FlyCam-Kameraplatte befestigt, dadurch musste ich nicht jedes mal neu ausbalancieren, wenn ich die Cam mal abmachen wollte (und ausserdem kann man den Akku sonst nicht wechseln). Die Sennheiser-Batterie hält übrigens ewig, also das Mikro tagsüber einfach immer anlassen, dann vergisst man es auch nicht beim Dreh.
Steadycam-Fahraufnahmen sind mit diesem "Rig" allerdings kaum zu machen: sobald man schneller als 20km/h ist, bringt der Wind zu viel Gewackel rein. Allerdings ist der "Active Steady Shot"-Modus der Sony sehr gut.
Sobald ich die Shots angeschaut habe werde ich hier von der Bildqualität berichten. Was das Handling angeht kann ich schon mal sagen: die TD10E ist zum Gonzo-Filmen geeignet.
Stefan Kluge, 2011-06-04
Kommende Woche starte ich mit den Dreharbeiten zum dritten VEB FILM Leipzig Road Movie. Diesmal geht es mit einer Horde verrückter Rallyefahrer durch Polen - querfeldein: auf vierachsigen Trucks, Hummern, Cayennes, Quads, Crossmaschinen und ein paar Dutzend weiteren Fahrzeugen, die keinen Sinn ergeben. Wer nach einer Woche mit aufgerissener Ölwanne zuerst vor der Dresdner Frauenkirche aufschlägt, hat gewonnen.
Das dürfte ziemlich unterhaltsam werden - in Fachkreisen heißt das übrigens die Breslau "härteste Europas" Rallye.
Ich werde das in 3D HD mit der neuen Sony HDR-TD10E und zwei GoPros im 3D-Rig filmen und wie gewohnt unter einer Creative Commons Lizenz veröffentlichen. Wahrscheinlich zunächst als DVD und Amazon-Cloudfront-Download und später als freier Netrelease via Bittorrent usw.
Vo Cat Vie, ein audio-engineering-Student aus Österreich hat sich zufällig gerade während der Produktionsvorbereitung bei mir mit einem fetten Showreel gemeldet und nach einem Praktikum gefragt - er wird nun bei den Dreharbeiten dabei sein, um den Ton zu meistern und später in 5.1 abzumischen. Ich freue mich voll auf die 3D Postproduktion - hoffentlich steckt der 3D-Postproduktionsworkflow am PC nicht mehr in den Kinderschuhen, denn Weihnachten soll der 80 Minuten-Film fertig sein.
Stefan Kluge in Die Letzte Droge, 2011-06-03
Kleiner Rückblick: " Die letzte Droge" hatten wir als 80 minütigen Sci-Fi Low Budget Spielfilm geplant. Die Story basierte auf einer Südamerikareise von 2003, auf der Mathias Eimann (mit dem ich auch in unserem ersten Open Source Road Movie Route 66 unterwegs war), Martin Gebhardt und ich Peru und Bolivien auf der Suche nach einem seltenen Halluzinogen durchquert hatten.
2005 steckten wir die 35.000 Euro, die Route 66 eingebracht hatte, in weitere Dreharbeiten in Leipzig - wobei wir uns praktisch alles haben sponsoren lassen, so dass wir mit dem Geld locker 10x so viel machen konnten, wie normale TV-Produktionen. Bis dahin lief alles super, dann begann die Postproduktion. Nach einer langen Schnittphase, die auch zu einigen Nachdrehs führte, sind wir nun an folgendem Punkt:
Es existiert eine abgeschlossene 65 minütige Version des Films, die auf einem Schnitt von 2007 basiert. Diesen Schnitt hatten wir in einigen Testscreenings, unter anderem auf dem Fusion Festival, schon mal aufgeführt - das Feedback war immer sehr verhalten. Der Hamburger Komponist Michael Georgi hat sich der Version angenommen, den Schnitt überarbeitet, die Soundeffekte vervollständigt und einen Score komponiert. Philipp Klose mischt den Ton dieser Version gerade in 5.1 ab. Diese Version ist quasi ein Remix des ursprünglichen Originalfilms, der gemeinsam mit der offiziellen VEB-Version veröffentlicht werden wird.
Mit der finalen VEB-Version habe ich vor einem halben Jahr begonnen, indem ich mich nach langer Stagnation des Projektes dazu durchrang, DELETE ALL zu klicken. Und das betraf vor allem das Drehbuch. Der Film wird nach wie vor unter Anderem aus dem gonzo-dokumentarischen Südamerika-Bildern bestehen, mit denen er nun auch beginnt. Das kannst Du Dir wie in "From Dusk Till Dawn" vorstellen: eine halbe Stunde lang schaust Du den Jungs bei der Suche nach dem Amazonas-Halluzinogen zu und dann wird aus dem Road Movie plötzlich ein abgedrehter Science Fiction.
An dieser Stelle stecke ich nun in der Postproduktion. Mit dem Südamerika-Teil bin ich glücklich. Ich merke klar wie mir die Erfahrung der letzten Jahre bei der ersten Schnittversion gefehlt hat. Trotzdem wird der Schnitt des Science Fiction-Teils ein ordentlicher Brocken, vor allem weil ich anhand des bereits gedrehten Materials eine komplett andere Story erzählen will. Das ist zwar leichter als es klingt, weil die Story von vornherein sehr abstrakt war, aber es dauert. Kommende Woche beginne ich in Dresden mit den Dreharbeiten zu einem weiteren Road Movie, so dass die Arbeiten an "Die Letzte Droge" noch mal ein halbes Jahr verzögert werden. Aber das macht nun auch kein Unterschied mehr.
2012 gehts dann wieder mit der Droge weiter, wobei mit jedem Jahr auch mein Anspruch steigt - wir sind allerdings nach wie vor alle der Meinung, dass unsere Aufnahmen aus 2003 und 2005 das Zeug zu einem Free Culture-Blockbuster haben, deswegen bleiben wir dran.
| |